Friedrich Lux
*1820 – †1895

Friedrich Lux – Thüringisch-rheinische-Musikerpersönlichkeit mit Heimatverbundenheit
Friedrich Lux (geb. 1820 Ruhla, gest. 1895 Mainz), ist ein thüringisch-rheinischer Komponist, Organist und Dirigent. Aus einem evangelischen Kantorenhause stammend, war er mit den strengen Formen der Klassik aufgewachsen. Als Organist war er von früher Jugend an bis ins hohe Alter für seine Spielfertigkeit insbesondere am Pedal bekannt. Als Dirigent großer Oratorienvereine brachte er berühmte Chorwerke zur Aufführung, auch Werke seiner Zeit. Als Komponist und Zeitgenosse der aufkommenden Romantik verfolgte „Lux diese neue Richtung mit dem lebhaftesten Interesse,“ schreibt August Reißmann (1825-1903) noch zu Lebzeiten 1888 über die Musik von Friedrich Lux und spricht ihm eine „Sonderstellung“ zu.[1] Als Musikerpersönlichkeit in allen Facetten hoch geehrt und nach seinem Tod noch in der Musikwelt bekannt, ist er im 20. Jahrhundert fast vergessen. Seine Werke sind kaum noch aufgeführt worden.
Die Kompositionen von Friedrich Lux sind zu großen Teilen bis heute erhalten geblieben. Ein kleiner Kreis heimatverbundener Musikliebhaber arbeitet daran, diese Musik im 21. Jahrhundert wieder zur Aufführung zu bringen. Dabei hat der Lux Festspielverein e.V. das Ziel der Bewahrung des musikalischen Erbes und der Aufführung der Werke von Vater Georg Heinrich Lux (1779-1861) und Friedrich Lux, dessen Hauptwerk die Oper „Der Schmied von Ruhla“ nach der gleichnamigen Thüringer Volkssage mit einem Libretto von Ludwig Bauer (1832-1910) Identität stiftet und ein Denkmal für seine Heimatstadt Ruhla ist. Auch in anderen Werken zeigt sich sowohl hinsichtlich der Entstehung als auch der musikalischen Stilmittel diese Volksverbundenheit. Zugleich ist das Oeuvre von Friedrich Lux sehr vielfältig und enthält Opern und dramatische Werke, Orchesterwerke, Kammermusik, Orgelwerke, Klavierstücke, Chorwerke sowie Lieder und Gesänge. Außerdem prägte er als Dirigent über vier Jahrzehnte das Kunstleben in Mainz und darüber hinaus. Dr. Günter Wagner (1991) schätzt ein, dass sich Lux musikalisches Schaffen: „über den Durchschnitt der routinemäßig komponierenden Kapellmeister seiner Zeit hinaushebt“.[2] Die musikologische Stellung des kompositorischen Gesamtwerkes von Friedrich Lux ist jedoch noch nicht abschließend erforscht. Die Quellen seiner Arbeit als Dirigent und als Komponist sowie die Einflüsse seines Wirkens auf andere Musiker und Komponisten sind nur zum Teil bekannt. Der Lux Festspielverein recherchiert ständig zu Werk und Leben von Friedrich Lux, kann die nötige Forschung aber nicht allein leisten. Mit unsern Schaffen möchten wir einen Impuls setzen, dass sich die Nachwelt, insbesondere die Musikwissenschaft, eingehender mit dem Komponisten, Organisten und Dirigenten Friedrich Lux beschäftigt, so bei der Erforschung seines Musikstils und natürlich bei den Aufführungen seiner Werke.
Vom Talent zur Musikerpersönlichkeit
Ursprung in Ruhla – vom Kind zum Talent
Adolf Friedrich Lux kam am 24. November 1820 als fünftes von sechs Kindern [3] des Lehrers, Kantors und Organisten Georg Heinrich Lux (1779–1861) und seiner Ehefrau Juliane, geborene Schmidt, (1783–1846), „im gothaischen Anteil des Marktfleckens Ruhla zur Welt. Sein Vater stand als Lehrer und Organist in hohem Ansehen. Auch Franz Liszt soll ihm freundschaftlich verbunden gewesen sein.“ [4]

Abbildung 1 Geburtshaus in der Köhlergasse

Abbildung 2 Georg Heinrich Lux
Vater Georg Heinrich Lux „war nicht nur vorzüglicher Klavierspieler und Organist, sondern auch auf allen anderen Musikinstrumenten bewandert; auch besaß er neben tiefgehender allgemein wissenschaftlicher Bildung ein sehr gründliches Wissen auf dem Gebiete musikalischer Komposition.“ Friedrich Lux hing dem Vater „mit kindlicher Ehrfurcht an und lauschte andachtsvoll dessen Klavier- und Orgelspiel. Bald machte er selbst seine ersten schüchternen Versuche.“ [5] Da der Vater „die eminente Begabung des Sohnes früh erkannte, sorgte er für dessen gewissenhafte Ausbildung.“ [6]
Friedrich Lux „konnte bereits als Siebenjähriger den Vater beim sonntäglichen Orgelspiel in der Trinitatiskirche vertreten.“ [7] Dabei ist auch eine Geschichte überliefert, die den Jungen sehr liebenswürdig erscheinen lässt.
Einsatz verschwalbt?!
„Da saß an einem schönen Frühlingstage in Ruhla, in Thüringen gegen Ende der zwanziger Jahre ein kaum siebenjähriger kleiner Knabe vor der Kirchenorgel und spielte mit den kleinen Händen tapfer drauf los und die Singstimmen der versammelten Gemeinde folgten ihm vertrauensvoll. Es war der kleine Fritz, den man in einer größeren Stadt schon längst als Wunderkind ausgerufen hätte. … Nun flogen aber an jenem Frühlingstage zufällig die ersten Schwalben mit lustigem Gezwitscher an den Kirchenfenstern vorbei. Hin und wieder geschah es, dass die blauen Augen des Knaben voll strahlender Freude ihnen folgen mussten. Die Gedanken des kleinen Fritz eilten schon zu den Nachmittagsstunden, für die der Vater dem Fritz und seinen Geschwistern einen langen Spaziergang versprochen hatte. „Ach, wäre schon das Orgelspiel vorüber“, dachte Fritz. Die fromme sangeslustige Gemeinde war aber anderer Ansicht. Sie wiederholte pflichtgetreu die Melodie des ersten Teiles ihres Liedes, während die Hände des kleinen Fritz schon ungeduldig auf den Tasten weiter wanderten. Eine grelle Dissonanz war plötzlich zu hören. Zugleich traf ihn die Hand des Vaters, der kleine Orgelspieler versank unter die Orgelbank, während die sichere Hand des Vaters die nahezu entgleiste Gemeinde wieder auf den rechten Weg zurück führte.“ [8]
In der Kindheit prägen den kleinen Fritz auch Begebenheiten mit humorvollen Seiten:
(B)rotwein
Eines Sonntagnachmittags beschloss die Familie Lux, einen Picknickausflug zu machen. Nach einem kurzen Fußmarsch hatte der kleine Friedrich Lux keinen Elan mehr weiter zu laufen. Aus diesem Grund setzte er sich in das Wägelein, welches sein großer Bruder zog. In diesem waren unter anderen zwei Behälter aufbewahrt, in welchem sich zum einen Brot und zum anderen Wein befanden. Dies zog den verträumten Jungen magisch an, also genehmigte er sich einen Schluck des Weines und ein Stück Brot. Friedrich genoss seine Zwischenmahlzeit und die ihn umgebende Natur. Als er sein Mahl beendet hatte, vergaß er die Weinflasche richtig zu verschließen. So ergoss sich der Wein über das frisch gebackene Brot. An der Aue angekommen, erfüllte seine Mutter ein wahrer Schauer: Als sie in den Wagen blickte, war aus dem einst vorhandenen Brot und Wein eine matschige Brotweinsuppe geworden. Ungeachtet des Entsetzens der Mutter beschloss sein Vater, dass Friedrich die „Suppe“ auszulöffeln hätte. Dieser tat es ohne Widerworte- und kurz darauf torkelte er über die Aue. Der Rest der Familie hatte Spaß und so zogen sie ihn, nach genossenem Picknick, in dem Wägelein wieder heim.“ [9]
Im elften Jahre komponierte Friedrich Lux sein Opus 1 Six Variationes pour le Pianoforte (1830/1831) „das bereits erstaunliches Talent verrät.“ [10] Es ist „seiner verehrten Lehrerin Demoiselle L. Zimmermann hochachtungsvoll gewidmet im elften Jahre.“ [11]
„Im zwölften Jahre gab Friedrich Lux ein Orgel-Konzert in Gotha, wo der alte Hoforganist vor Verwunderung und Freude über die Fertigkeit des jungen „Kollegen“ schier außer sich geriet.“ [12] Außerdem spielte er in der Clemda-Gesellschaft in Eisenach Carl Maria von Webers Konzertstück in f-Moll für Klavier und Orchester.[13] Anderenorts hätte man schon von einem „Wunderkind“ gesprochen. „Der Vater ließ sich aber durch diese frühen Erfolge nicht verleiten, die allgemeine wissenschaftliche Ausbildung des Sohnes zu vernachlässigen.“ [14]
Gotha – Philologie und Orgelspiel
„1834 bezog Friedrich Lux das Gymnasium in Gotha, um sich auf den Lehrerberuf vorzubereiten. Gleichzeitig erhielt er Kompositionsunterricht durch den ebenfalls aus Ruhla stammenden Seminarmusikdirektor August Michel. Die großen Ferien 1836 nutzt er zu einer Fußwanderung nach Frankfurt/Main, weil er sich mit Erfolg auf der berühmten, 1833 errichteten Walcker-Orgel in der Paulskirche hören ließ.“ [15] Er gab zwei Konzerte und der jener Zeit geachtete Kritiker Wagner schätzte seine Spielfertigkeit insbesondere am Pedal.[16] 1837 wurde er bereits den bedeutendsten Orgelvirtuosen seiner Zeit gleichgestellt. „Ermutigt durch seine glänzend verlaufene Mitwirkung bei einen Hofkonzert in Gotha, an dem auch der belgische Violinvirtuose Francoir Prum beteiligt war, entschloß sich Lux, sich hinfort ganz der Musik zu widmen.“ [17] Sein auf Empfehlung des Intendanten des herzoglichen Hoftheaters gestelltes Gesuch um Unterstützung beim Herzog von Sachsen-Gotha hatte Erfolg. [18] Er konnte seine Studien fortsetzen.
Dessauer Jahre – vom Studenten zum Musikdirektor und Komponisten
„Von 1839 bis 1841 unterzog sich Friedrich Lux in der strengen Schule des berühmten Hofkapellmeisters und Theoretikers Friedrich Schneider (1786–1853), in Dessau einer gründlichen theoretischen und praktischen Ausbildung, vervollkommnete sich im Orgelspiel, erlernte Grundkenntnisse der meisten Orchesterinstrumente und vor allem das Dirigieren. Lux unterrichtete Schneiders beide jüngsten Töchter im Klavierspiel, dafür verzichtete der Lehrer auf sein Honorar für die Lektionen. Zwischen Schneider und Lux bildete sich eine viele Jahre überdauernde Freundschaft.“ [19] Schneider merkte bald, dass er in dem jungen Ruhlaer einen besonderen Schüler hatte. 1840 wurden beide sogar miteinander verwechselt, als sie in Zerbst konzertierten. [20]

Abbildung 3 Friedrich Lux in jungen Jahren
„Im Sommer 1841 erhielt Friedrich Lux die Stelle des Musikdirektors am Dessauer Hoftheater, die er bis 1851 innehatte. Hier entstanden seine ersten Opern, „Das Käthchen von Heilbronn“ (1846 in Dessau uraufgeführt) und „Rosamunde“ (1847, nicht aufgeführt). 1850 heiratete er Karoline Pertz (1824-1885), die Tochter eines Dessauer Kaufmanns. [21] Der Ehe entsprossen neun Kinder, von denen fünf vor dem Erwachsenenalter starben und vier das Erwachsenenalter erreichten. [22]
Mainzer Schaffenszeit – Lehrer, Orgelvirtuose, Komponist, Dirigent
„Die sich nach dem Scheitern der 48er Revolution immer drückender gestaltenden geistigen und politischen Verhältnisse in der anhaltinischen Residenz veranlaßten Lux, 1851 dem Ruf als Kapellmeister an das Stadttheater nach Mainz zu folgen. Höchst unzulängliche Orchesterleistungen, für die bestimmte Kreise – ihr Sprachrohr war das „Mainzer Wochenblatt“ – den Dirigenten verantwortlich zu machen suchten, waren ausschlaggebend, daß er sich schon 1853 vom Theater verabschiedete.“ [23] Auch sein Einsatz für die Errichtung eines ständigen Orchesters im Stadttheater war kein Erfolg beschieden. In einer Eingabe vom 15.3.1853 an den Mainzer Bürgermeister heißt es als Gesuch an die Behörde: „Hochdieselbe wolle dem Orchester, um es nach beiliegenden Entwurf in ein stabiles Verhältnis zu bringen, die Benutzung des Theaters zu 12 Abonnement-Concerten geneigtest gestatten.“ [24] In der von Lux verfassten „Niederschrift zur möglichen Einführung von Abonnementkonzerten in Mainz“ führte er als Gründe die Verbesserung der Löhne der Orchestermitglieder und die Steigerung der Qualität an. Zur Deckung der von Lux veranschlagten 3.000 fl jährlichen Kosten, „wäre eine Anzahl von durchschnittlich 600 Abonnenten erforderlich.“ [25] Dies erschien dem Magistrat nach früheren Erfahrungen zu hoch, und er lehnte ab. [26]
„Lux betätigte sich in den nächsten Jahren mit stetig wachsendem Erfolg als Musiklehrer, Orgelvirtuose und Komponist und trat als rühriger Veranstalter symphonischer Konzerte in Erscheinung, für die er vielfach namhafte auswärtige Künstler, oft unter Einsatz erheblicher persönlicher Mittel, verpflichtete. … Als langjähriger Leiter der Konzerte des Vereins für Kunst und Literatur sowie als Dirigent des Mainzer Männergesangvereins von 1856-1862, des Mainzer Liederkranzes von 1862-1864 und des Vereins für Kirchenmusik verschaffte sich Lux innerhalb des nächsten Jahrzehnts eine beherrschende Stellung im Mainzer Musikleben.“ [27]

Abbildung 4 Friedrich Lux im mittleren Alter
„Als Höhepunkt seiner künstlerischen Karriere wurde Lux, nach zwei vergeblichen Bewerbungen 1852 und 1856, am 1. März 1864 unter 70 Bewerbern (unter ihnen prominente Musiker wie Max Bruch) zum Musikdirektor der „Mainzer Liedertafel“, der nächst dem Theater bedeutenden Musikinstitution der Stadt, berufen.“ [28] Die Auswahlkommission entschied mit nur einer Stimme Mehrheit. „Die Wahl von Friedrich Lux, die eine Vorstandskrise hervorrief und zum Rücktritt des Präsidenten Franz Schott führte, sollte sich schon bald als eine äußerst glückliche Entscheidung erweisen. Unter der neuen künstlerischen Leitung erlebte der Oratorienverein nach einer längeren Phase der Stagnation, die durch häufige Dirigentenwechsel bedingt war, binnen kurzer Zeit eine neue Blüte. Bereits 1867 gelang es dem Verein gegen starke Konkurrenz bei einem großem Gesangwettstreit in Düsseldorf, den ersten Preis zu gewinnen.“ [29]
In seiner 27-jährigen Tätigkeit als Liedertafel-Dirigent leitete Lux mehr als 101 große und 61 kleinere Konzerte. [30] Sie enthielten 36 Uraufführungen neuerer, größerer Werke, darunter auch seine eigenen. Nach Reißmann (1888) hat Lux in Vereinskonzerten große Oratorien und Chorwerke „in vorzüglicher Weise zur Aufführung gebracht“: Felix Mendelssohn-Bartholdy (Elias, Paulus), Friedrich Schneider (Das Weltgericht, Absalon), Georg Friedrich Händel (Messias, Samson, Josua, Alexanderfest), Joseph Haydn (Schöpfung), Beethoven (Missa solemnis). [31] Daneben pflegte er besonders das in Mainz noch weitgehend unbekannte Chorschaffen zeitgenössischer Meister, unter ihnen Robert Schumann (Der Rose Pilgerfahrt, 1865; Szenen aus „Faust“, 1872), Niels Wilhelm Gade, Franz Lachner, Max Bruch (Schön Ellen, 1868; Odysseus, 1874), Carl Amand Mangold, Franz Liszt (Legende von der heiligen Elisabeth, 1879), Georg Vierling, Johannes Brahms (Triumpflied, 1884; Ein Deutsches Requiem, 1887) und Giuseppe Verdi (Requiem, 1886.) [32]
Friedrich Lux blieb dem Werk und der Familie seines verehrten Lehrers Friedrich Schneider ein Leben lang verbunden. Im Brief an dessen Sohn Christian vom 26.4.1866 beschrieb er die Arbeit zur Aufführung des „Weltgerichts“, Oratorium von Friedrich Schneider, legte Textbuch mit Notizen und Zeitungskritik bei. Lux selbst schätzte ein: „daß die Aufführung eine vergnügliche war. Dein lieber Alter selbst würde seine Freude daran gehabt haben.“ Er schließt mit freundlicher Erwartung von Mitteilungen zum Familienleben. [33]
Friedrich Lux stand als Dirigent in Kontakt mit Musikern und Verlegern seiner Zeit. Beispielhaft sei hier der Brief an Christian Scholz (1806-1880) (Verleger, Mitbegründer der der Rheinischen Versicherungsgesellschaft in Mainz) und Vater des Komponisten, Dirigenten und Pianisten Bernhard Scholz (1835-1916) vom 5.5.1867 am Tag der Aufführung des Requiems von Bernhard Scholz aufgezeigt:[34]
| Hochgeehrter Herr Scholz! Sie haben mich mit einer reichlichen Gabe köstlichen Nierensteiners bedacht, um mich, wie Sie sagen, von den Strapazen der Einstudierung des Requiems von B. Scholz zu erholen. Ich nehme das schöne Geschenk mit großen Danke an, obschon ich gestehen muß, es durch „Strapazen“ nicht verdient zu haben, denn das Requiem Ihres Herrn Sohnes gehört zu denjenigen Werken, die durch ihren geistigen Werth und das künstlerische Interesse, das sie gewähren, dem Dirigenten die Mühe des Einstudierens vergessen machen. Ich gratuliere Ihnen von Herzen zu dem Werk Ihres Sohnes, oder vielmehr zu dem Sohn der ein so schönes Werk geschaffen hat. Möge über der heutigen Aufführung ein gütiger Herr walten und das Publikum durch richtige Würdigung des Werkes sich selbst ehren. Nehmen Sie nochmals meinen verbindlichsten Dank und den Ausdruck der ausgezeichneten Hochachtung, mit welcher zeichnet. Ihr ergebener Friedrich Lux 5. Mai 67 |
Darin zeigt sich der Mensch Friedrich Lux in seinem sozialen Umfeld, auch als Genießer (Nierensteiner), vor allem aber als wohlgeneigter Förderer eines jüngeren Musikerkollegen, der heute evtl. auch zu Unrecht vergessen ist.
„Besondere Glanzpunkte der Ära Lux bildeten die Mainzer Erstaufführungen von Bachs Matthäus-Passion 1876 und die vier großen Mittelrheinischen Musikfeste in Mainz 1865, 1875, 1884 und 1889, die auch in der zeitgenössischen Presse mit hohem Lob bedacht wurden.“ [35]
Lux machte sich ab 1868 durch das Aufleben von Sinfoniekonzerten ohne fremde finanzielle Unterstützung verdient und verankerte sie im Mainzer Konzertwesen. [36] Nach zwei Jahre traf Lux auf erhebliche Widerstände des damaligen Direktors Everhard Theodor L’Arronge (1812-1878), der ihm zu unregelmäßig das Orchester für diese Konzertreihe zur Verfügung stellen wollte. Der Brief an den Theaterausschuss zählt diese Missstände auf, diese konnten wohl erst im Jahr 1872 gelöst werden, als L’Arronge Mainz verließ. Der Brief wurde am 7.8.72 ad acta gelegt. [37] Lux rief ab 1888 Abonnements-Kirchenkonzerte in der ev. Johanniskirche ins Leben, die sich bis 1894 einem breiten Zuspruch des Publikums erfreuten. [38]

Abbildung 5 Friedrich Lux im mittleren Alter
Daneben setzt Lux seine frühere Tätigkeit als Orgelvirtuose fort. Ausgedehnte Konzertreisen hatten ihn bereits in den 1850er Jahren an den Niederrhein, nach Holland und Belgien geführt und ihm zahlreiche Ehrungen eingebracht. So brach beim Orgel-Konzert 1858 in Brüssel an der Dreymann-Orgel in der Kirche Notre-Dame des Saint-Claire das Publikum, die Würde des Ortes missachtend, in Beifallsstürme aus, darunter Lehrer und Schüler des Konservatoriums. [39]
1871 erging an die Handelskammern aller Länder seitens der Ausstellungskommission in London die Einladung, die besten Organisten zu Konzerten auf der neuerrichteten Riesenorgel in der Royal Albert Hall zu entsenden. Das Großherzogtums Hesse entsandte Friedrich Lux in die englische Hauptstadt, wo er sich neben den berühmten Orgelspielern Anton Bruckner und Camille Saint-Saens in Ehren behaupten konnte. [40]
Als Komponist entfaltete Lux in seiner Mainzer Zeit eine äußerst fruchtbare Tätigkeit. Diese erstreckt sich auf nahezu alle musikalischen Gattungen. Der Erfolg auf diesem Schaffensgebiet stellte sich nur zögernd ein, „zumal anfangs nur wenig im Druck erschien. Erst mit den nach 1860 veröffentlichten Werken, insbesondere mit einigen preisgekrönten Vokal- und Instrumentalkompsitionen, den rasch populär werdenden Orgelstücken und Chorliedern, begann Lux auch als Komponist einer breiteren Öffentlichkeit bekannt zu werden. Der eigentliche Durchbruch als Komponist gelang jedoch erst mit der am 29.3.1882 unter der Leitung von Emil Steinbach am Mainzer Stadttheater mit großem Beifall uraufgeführten Oper „Der Schmied von Ruhla“.
Vom Erfolg der Oper begünstigt, entwickelte sich in den folgenden Jahren eine enge Zusammenarbeit mit dem Verleger und Vorstandsmitglied der Liedertafel Jakob Diemer. Dieser veröffentlichte, außer Lux‘ neuesten Arbeiten, auch eine Reihe älterer, wertvoller Werke, wie etwa die häufig aufgeführte dramatische Scene Coriolan und die 1862 komponierte Missa brevis et solemnis und setzte sich in vorbildlicher Weise, über den Tod des Komponisten hinaus, für die Propagierung seines Schaffens ein. Unter den ausnahmslos bei Diemer erschienenen Spätwerken sind vor allem die Choral-Symphonie „Durch Nacht zum Licht“ und die komische Oper „Die Fürstin von Athen“, die bei ihrer Uraufführung am 31.10.1890 in Frankfurt lediglich einen Achtungserfolg erzielte, hervorzuheben”. [41]
Ein fortschreitendes Augenleiden zwang Friedrich Lux 1891, sein Amt als Kapellmeister der Mainzer Liedertafel niederzulegen. „Der Vorstand ernannte ihn „als Zeichen höchster Verehrung und in dankbarer Würdigung der unschätzbaren Verdienste, die er sich durch seine aufopfernde und ungemein erfolgreiche Dirigententhätigkeit während siebenundzwanzig Jahren um den Verein erworben,“ zum Ehrenkapellmeister und setzt ihm sein bisheriges Gehalt als Ruhegehalt aus. Seiner Dirigentenpflichten enthoben widmete sich Lux, soweit es seine angegriffene Gesundheit erlaubte, verstärkt der Komposition und setzte seine Kirchenkonzerttätigkeit fort.“ [42] Zuletzt erfreuter er sich immer mehr am Orgelspiel an seiner Heimorgel, die ihm seine Kinder 1875 in seine Wohnung einbauen ließen. [43] Nahezu völlig erblindet, verstarb er am 9. Juli 1895 in Mainz. Wie beliebt er dort war, bezeugten die Mainzer, indem sie zu Tausenden den Weg des überaus langen Trauerzuges bis zum Friedhof säumten. [44]

Abbildung 6 Friedrich Lux an der Hausorgel 1893
Musikerpersönlichkeit und Heimatverbundenheit
Friedrich Lux wird als „von schlanker Gestalt und mittlerer Größe, aber außerordentlicher Spannkraft“ beschrieben. Bewundernswert wurde seine „riesige Leistungsfähigkeit bei höchster künstlerischer Vollendung“ befunden. Er begründete seine geistige Frische und Unermüdlichkeit so: „Dafür besitze ich ein einfaches Mittel. Sie wissen, ich bin Thüringer, und im Sommer wandere ich jedes Jahr wieder in die Heimat und trinke in unseren Wäldern Ozon, das erhält mich aufrecht.“ [45]
Friedrich Lux war zeitlebens mit seiner Geburtsstadt Ruhla verbunden. Auch als viel beschäftigte Musikerpersönlichkeit kam er über 30 Jahre lang zur Sommererholung nach Ruhla oder Weißenborn/Heiligenstein (heute Ortsteil Thal). Lux‘ Heimatverbundenheit kommt auch dadurch zum Ausdruck, dass er zur Einweihung der Stumpff-Gedenktafel am Dichterhain am 16.8.1863 ein „Festlied“ mit Text von Ludwig Storch und zur Einweihung der Ziegler-Gedenktafel am Dichterhain am 2.9.1888 einen „Festgesang“ mit Text von August Reißmann vertonte, die der Apollo-Verein jeweils unter seinem Dirigat vortrug. [46] Zudem setzte Lux ein weiteres Gesangsstück zur Einweihung des Carl-Alexander-Turmes im Jahr 1867 in Töne. [47] Alle drei Werke sind bisher nicht im Werksverzeichnis berücksichtigt, da keine genauen Kenntnisse zu Text, Besetzung und Instrumentierung vorliegen.
Doch Friedrich Lux erholte sich nicht nur bei seinen Aufenthalten in Ruhla, sondern komponierte auch. Die 1. Sinfonie (o. Op.), a-Moll, ist nachweisbar in Ruhla entstanden. Friedrich Lux signierte das Werk auf der letzten Seite mit Ruhla „Juli/Aug. 46“. Die Sinfonie galt 1991 bei Wagner noch als verschollen. [48] Die Reinschrift fand sich auf wunderbare Weise beim Familientreffen am 10.11.2006 wieder, wurde 2015 vom Lux Festspielverein e.V. herausgegeben und 2016 nach 170 Jahren „Dornröschenschlaf” am 27.5.2016 in der St. Trinitatiskirche in Ruhla uraufgeführt [49] und vom Publikum mit Jubel und „minutenlagen Standing Ovations“ begeistert aufgenommen. [50]
Die Heimatverbundenheit von Friedrich Lux spiegelt sich auch in seiner Musik wider. In seiner Kammermusik erklingen Motive, die seiner Heimat entstammen können. Einige Sätze seiner Streichquartette sind treue musikalische Beschreibungen von Landschaften seiner Heimat. Im Preisquartett (Op. 58), d-Moll, weist der Titel des 2. Satzes darauf hin: „Idylle: Auf dem Felde. Am Bache. Unter der Linde” – da kann man die Kuhhornsignale der Hirten, das Singen einer Feldlerche, den Gesang aus der Kirche, das Rauschen des Erbstroms sowie den Ruf des Spielmanns zum Tanz unter der Dorflinde hineininterpretieren.[51] Im 2. Streichquartett (Op. 87), C-Dur, kann man im 2. Satz „Klänge der Heimat. Elegie” den „eigentümlichen Zusammenklang seines Geburtsstädtchens Ruhla“ [52] und den herrlichen Ausblick auf die Stadt und das Tal vom Zwei-Kirchenblick nachempfinden.
Im Chorwerk „Waldkantate“, Gedicht von C. Rosenthal, wird die Landschaft des Thüringer Waldes besungen. Im Lied „Wachstein“, mit dem Text vom ebenso aus Ruhla stammenden Dichter und Schriftsteller Ludwig Storch (1803-1881), wird die Beschreibung der regional bekannten Felsformation in musikalischer Art untersetzt.
Seine größte Hommage an seine Heimatstadt schuf Friedrich Lux mit der Oper „Der Schmied von Ruhla”. Mit der Vertonung der Thüringer Volkssage setzte Friedrich Lux nicht nur seiner Heimatstadt Ruhla, sondern auch Thüringen ein kulturelles Denkmal.
Vielfalt der Kompositionen
Musikalische Stellung – nicht abschließend erforscht
Friedrich Lux hinterließ eine Vielfalt an Kompositionen. Die Musikwelt um ihn hatte wahrscheinlich einen Einfluss auf das eigene Schaffen. Er ist Zeitgenosse von Komponisten der Romantik, deren Werke heute Standards sind und bis heute aufgeführt werden. Wie einige seiner Bearbeitungen direkt zeigen, hat sich Lux musikalisch damit auseinandergesetzt. Zugleich setzt er sich mit Werken von Komponisten aus Barock und Wiener Klassik auseinander. Welche musikologische Stellung Lux einnimmt, ist bisher nicht abschließend erforscht.
Friedrich Lux ist ein Komponist des 19. Jahrhunderts. Als Sohn eines evangelischen Kantors war er mit Kirchenmusik vertraut. Zudem befasste er sich mit Werken von Georg Friedrich Händel, Johann Sebastian Bach, Joseph Haydn, Wolfgang Amadeus Mozart und Ludwig van Beethoven. Dies spiegelt sich in Kompositionen in Bezug auf Werke oder in Bearbeitungen von Werken dieser Komponisten wider.
Friedrich Lux setzte sich mit Musik aus Barock und Klassik auseinander. Aber auch die Werke der Romantik und seiner Zeitgenossen inspirierten ihn. Er interpretierte diese für sich neu und bearbeitete z.B. Werke von Franz Schubert, Franz Lachner, Felix Mendelsohn-Bartholdy, Richard Wagner.
Werke in sieben Genre
Das kompositorische Werk von Friedrich Lux ist von einer enormen Vielfalt geprägt.
Nach der Haupteinordnung von Reißmann (1888) schuf Lux Werke in sieben Genre:
I Opern und dramatische Werke
II Orchesterwerke
III Kammermusik
IV Orgelwerke
V Klavierstücke
VI Chorwerke
VII Lieder und Gesänge
Das aktuelle Werksverzeichnis des Lux Festspielvereins 2024 enthält 333 Werke. Es gelten weiterhin 17 Werke als verschollen.
[1] Reißmann, August (1888): Friedrich Lux. Sein Leben und seine Werke, Leipzig, Druck und Verlag von Breitkopf & Härtel, 1888, 130 Seiten, S. 13. August Friedrich Wilhelm Reißmann (1825-1903) war Musikschriftsteller, Lexikograph und Komponist.
[2] Wagner, Günter (1991): Friedrich Lux (1820–1895). Leben und Werk eines vergessenen Mainzer Musikers. In: Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft für Mittelrheinische Musikgeschichte 57 (1991), S. 267–283. – Dr. Günter Wagner (1937-2021), Oberstudienrat und Musikwissenschaftler, Mitglied der Arbeitsgemeinschaft für Mittelrheinische Musikgeschichte e.V.
[3] Die von Wagner 1988, S. 445, abweichende Angabe entspricht einem Stammbaum der Familie Lux, Nachlass von Rüdiger Lux. Lux-Akte im Archiv der Ortschronik, Orts- und Tabakpfeifenmuseum Ruhla
[4] Wagner 1988, S. 445-453 u. Reißmann 1888, S. 5-12
[5] Schmidt RZ 88/1898, 29.7.1898
[6] Reißmann 1888, S. 5
[7] Wagner 1988, S. 446
[8] Elise Polko, nach Schmidt in RZ Nr. 88/1898, 29.7.1898.
[9] Rüdiger Lux 2013
[10] Wagner 1988, S. 446
[11] Das Autograf mit der Widmung des jungen Friedrich Lux befindet sich im Archiv des Ruhla Orts- und Tabakpfeifenmuseums.
[12] Schmidt in Beilage zu RZ Nr. 89/1898, 31.7.1898
[13] Wagner 1988, S. 446
[14] Schmidt Beilage zu RZ Nr. 89/1898, 31.7.1898
[15] Wagner 1988, S. 446
[16] Schmidt Beilage zu RZ Nr. 89/1898, 31.7.1898
[17] Wagner 1988, S. 446 – Bei diesem Hofkonzert in Gotha trat Friedrich Lux mit einem Klaviervortrag mit Orchesterbegleitung (Alexander-Variationen von Ignaz Moscheles (1794–1870)) auf – vgl. Reißmann, 1888, S 6
[18] Reißmann 1888, S. 6
[19] Wagner 1988, S. 446
[20] Reißmann 1888, S. 7
[21] Wagner 1988, S. 446-447
[22] Rüdiger Lux 2013, Im Stammbaum der Familie Lux sind nur acht Kinder von Lux aufgeführt. Nachlass von Rüdiger Lux – Lux-Akte
[23] Wagner 1991, S. 268
[24] Abschrift des Briefs von Friedrich Lux an Bürgermeister von Mainz vom 15.3.1883 – Lux-Archiv
[25] Abschrift der Eingabe Friedrich Lux – Niederschrift zur möglichen Einführung von Abonnementkonzerten in Mainz (1853)
[26] Vgl. Wagner 1988, S. 448 – dort auch der Nachweis dem Fundort des Briefs und der Eingabe: Stadtarchiv Mainz, Abt. XIV a TH
[27] Wagner 1988, S. 448
[28] Wagner 1991, S. 269
[29] Wagner 1991, S. 269 – detaillierte Ausführungen in Wagner 1988, S. 449-450
[30] Wagner 1988, S. 451
[31] Reißmann 1888, S. 6-7
[32] Wagner 1991, S. 269
[33] Brief von Friedrich Lux an Christian Schneider vom 26.4.1866 – Lux-Archiv
[34] Brief von Friedrich Lux an Christian Scholz vom 5.5.1867 – Lux-Archiv
[35] Wagner 1991, S. 269
[36] Vgl. Wagner 1988, S. 451
[37] Brief Friedrich Lux an den Theaterausschuss Mainz von 1871 – Lux-Archiv
[38] Vgl. Wagner 1988, S. 453
[39] Wagner 1988, S. 451
[40] Vgl. ebenda, S. 451-452.
[41] Vgl. Wagner 1988, S. 452
[42] Ebenda
[43] Rüdiger Lux 2013
[44] Schmidt RZ 94/1898, 14.8.1898
[45] New Yorker Staatszeitung vom 28. Juli 1889, zit. nach Schmidt, in: RZ vom 10.8.1898.
[46] Schmidt, RZ Nr. 88/1898, 29.7.1898. Die beiden genannten Titel sind völlig unbekannt und entsprechen keinem der im Werksverzeichnis aufgelisteten Chorwerke – Weitere Quelle zum „Festgesang“ mit Instrumentalbegleitung von Friedrich Lux in zwei Teilen. Anzeige zum „Programm zur Enthüllungsfeier des Hofrat Zieglerschen Denkmals am 2. September 1888,“ in: RZ 65/1888, 25.8.1888 sowie in: RZ 66/1888, 29.8.1888; Bericht von der Enthüllungsfeier mit Erklingen des „Festgesangs“ in zwei Teilen von Friedrich Lux, und unter seinem Dirigat, durch den Apolloverein, in Rubrik „Lokales“ RZ 68/1888, 5.9.1888
[47] Rüdiger Lux 2013.
[48] Wagner 1991, S. 276
[49] Lux Festspielverein 2016, Festspielbroschüre.
[50] Sobko 2016 in: TLZ 30.05.2016, die „Standing Ovations“ sind mit Foto von Silke Möller belegt, in: Slotosch 2016a, in: RZ 09.06.2016.
[51] Altmann 1920, S. 11-12
[52] Altmann 1920, S. 14
