
Hans-Wolf Preußker arbeitet seit anderthalb Jahren an einer Neufassung der Oper "Der Schmied von Ruhla" von Friedrich Lux.
Einen Ruhestand ohne körperliche und geistige Ausarbeitung ist für den 71-jährigen Hans-Wolf Preußker aus Taura unvorstellbar. Der ehemalige Kantor hat sich deshalb neben der Pflege des Friedhofes einer besonderen Aufgabe gewidmet. Seit 18 Monaten befasst er sich täglich mehrere Stunden mit der Oper "Der Schmied von Ruhla".
Mehr als 100 Jahre habe die verschollen geglaubte Handschrift des Komponisten Friedrich Lux (1820 bis 1895) im Archiv geschlummert, so Preußker. Sein Sohn Daniel, der als Stadtplaner im thüringischen Ruhla arbeitet, habe sie 2009 wiederentdeckt. Ein neu gegründeter Verein betrachte das Werk als "einzige authentische Thüringer Volksoper" und wolle diese nun rund 130 Jahre nach der Uraufführung erneut auf die Bühne bringen. Dabei sollen Berufskünstler und Laien mitwirken.
Der Ruheständler aus Taura hat seinem Sohn sofort Unterstützung zugesagt - auch weil ihm der Elan der kulturbegeisterten Thüringer schon immer gefällt. "Nahezu 70 Personen engagieren sich ehrenamtlich für das Projekt", weiß er. "Sie wollen die Aufführung 2013 zu einem Großereignis von überregionaler Bedeutung machen." Hinzu kommt, dass Preußker Beschäftigungen am Computer seit einigen Jahren auch als Therapie für eine Tremor-Erkrankung betrachtet. Mit Schreiben und Mausklicks will er das krankheitsbedingte Zittern seiner rechten Hand günstig beeinflussen.
Als ehemaliger Kantor verfügt er zudem über das nötige Wissen, um "Note für Note, Takt für Takt und Stimme für Stimme" zu ergründen, was der Komponist auf mehr als 1000 Seiten und oft hinter Abkürzungen verborgen notiert hat. Ebenso ist er in der Lage, "alles für Musiker gut leserlich in den Computer zu übertragen".
Das Ziel, die Oper "abzuschreiben", ist fast erreicht. "Ich hätte mir nie träumen lassen, in meinem Alter noch so ein Projekt zu bewältigen", sagt Preußker. Sein Ehrgeiz, Angefangenes zu Ende zu bringen, und die Freude über sichtbare Fortschritte haben ihn angespornt. Manche Hürde hat er mithilfe seiner Frau, die ebenfalls als Kantorin gearbeitet hat und in Chören mitwirkt, genommen. Zuweilen waren Tipps seiner Kinder, vor allem der beiden musikbegeisterten Söhne, hilfreich.
Inzwischen nehmen auch etliche Tauraer Anteil am Fortgang des Projektes. Im Bekanntenkreis, beim Arzt oder auf der Straße geht es zuweilen um "seine" Oper. Das Interesse für die romantisch-historische Oper, deren Handlung auf einer Sage aus dem 12. Jahrhundert basiert, und in die der Komponist Lux eine Liebes-Dreiecksgeschichte eingeflochten hat, ist geweckt. "Etliche Tauraer wollen sich die Premiere nicht entgehen lassen", berichtet Preußker.
Viele wissen, dass eine Opernaufführung ein schwieriges und komplexes Unterfangen ist. Deshalb werde auch der Anteil der Ehrenamtlichen gewürdigt, ohne die das Werk nicht zu neuem Leben erweckt werden könnte, glaubt Preußker. Dass die Arbeit bemerkt wird, ist in seinen Augen "ein großer Lohn".
erschienen am 24.06.2011 in der Freien Presse Chemnitz ( Von Rita Türpe )